Auf den Spuren des alten Rheinstadions und des vergessenen Europaplatzes
Werte Leserschaft, es gibt Orte, die verschwinden und trotzdem nicht wirklich weg sind. Manchmal bleiben ein paar Betonreste zurück, manchmal ein alter Weg, eine Mauer oder ein Stück Zaun. Und manchmal muss man einfach nur sehr genau hinschauen.
Wer heute auf das Gelände rund um die moderne Arena blickt, findet eine vollkommen andere Welt vor. Wo einst die große Hauptkampfbahn stand, befindet sich heute die moderne MERKUR SPIEL-ARENA, umgeben von Messebauten. Natürlich sei unserer Leserschaft an dieser Stelle erklärt, dass wir aus der aktiven Fanszene jegliche Sponsornamen kategorisch ablehnen. Für uns wird es deshalb auch in Zukunft einfach das Rheinstadion bleiben.
Und was wurde aus den Orten, die für Generationen von Düsseldorfern ganz selbstverständlich zum Fußball gehörten? Wo befand sich der Block R36? Wo stand die alte Anzeigetafel? Stimmen die Spielfelder überhaupt noch überein? Und viel wichtiger: Hat irgendetwas vom alten Rheinstadion oder vom Europaplatz überlebt?
Diese Fragen ließ mich irgendwann nicht mehr los.
Ich hatte natürlich alte Fotos gesehen. Ich kannte Bilder von Fortuna im Rheinstadion, von Europapokalabenden, von vollen und nicht ganz so vollen Rängen und von jener eigentümlichen Architektur, die heute fast schon unwirklich wirkt. Aber Fotos sind eben nur Fotos. Sie zeigen einen Ort, wie er einmal ausgesehen hat. Natürlich war ich selbst auch seit den 80er Jahren regelmäßig Gast in der alten Betonschüssel, wie wir sie oft nannten.

Bild: Bundesarchiv
Mich interessierte aber natürlich der Umbau von 1974 und die Frage: Was davon kann man heute noch finden?
Also begann die vermutlich typischste Beschäftigung eines Menschen, der sich zu lange mit Düsseldorfer Fußballgeschichte beschäftigt hat: Ich fing an, alte Luftaufnahmen mit heutigen Karten und Satellitenbildern zu vergleichen. Und plötzlich wurde aus einem alten Stadion eine Art archäologische Ausgrabungsstätte. Nur ohne Schaufel.
Ein Stadion am Rhein
Das Rheinstadion war für Düsseldorf weit mehr als nur die Heimspielstätte von Fortuna. Es war ein Stück Stadtgeschichte. Über die Jahrzehnte wurde das Stadion mehrfach verändert, erweitert und den jeweiligen Vorstellungen vom modernen Sport angepasst. 1968 beschloss der Düsseldorfer Stadtrat beispielsweise einen Ausbau auf rund 62.000 Zuschauerplätze.
Denn irgendwann verschwand dieses riesige Stadion einfach. Das alte Rheinstadion hatte irgendwann ausgedient. Die Anforderungen an moderne Stadien waren andere geworden, Düsseldorf wollte eine neue Arena und das alte Bauwerk stand der Entwicklung des Geländes im Weg.
Damit könnte die Geschichte eigentlich beendet sein. Altes Stadion weg. Neue Arena da. Fertig.
Doch wenn man alte Luftbilder betrachtet, erkennt man plötzlich Dinge, die man vom Boden aus überhaupt nicht wahrnimmt. Große Wegplatten, die heute scheinbar irgendwie deplatziert wirken. Eine Straßenbahnstrecke, die keinen offensichtlichen Sinn mehr ergibt. Eine Baumreihe, die verdächtig genau dort verläuft, wo früher der Durchgang zur Stadionanlage war.
Die Sache mit dem Europaplatz

Ein anderes Bild aus der Bauphase aus dem Jahr 2003 zeigt, dass das komplette Gelände auf links gedreht wurde. Eigentlich war bis auf den Nebenplatz nichts mehr übrig, oder?
Ich entdeckte in der oberen Hälfte ein Gebäude, das scheinbar unberührt von den Arbeiten blieb, und eine Baumreihe, die früher einmal die Allee zur Nordkurve war. Ich schaute also einmal genauer hin.
Die Landeshauptstadt Düsseldorf stellt inzwischen historische Luftbilder aus verschiedenen Jahrzehnten online zur Verfügung. Insgesamt sind Aufnahmen aus mehreren Jahrgängen abrufbar, die älteste stammt aus dem Jahr 1927. Gerade der Vergleich solcher historischen Aufnahmen mit aktuellen Luftbildern macht Veränderungen der Stadt und am Stadion erstaunlich gut sichtbar.



Und siehe da: Das Häuschen, dessen ursprüngliche Funktion ein gut besuchtes Restaurant namens „Pfannkuchenhaus“ war und einige der markanten dreieckigen Bodenplatten des Europaplatzes haben bis heute überlebt. Das wären tatsächlich die letzten Überbleibsel des alten Rheinstadions.
Ich schnappte mir meine Kamera und machte mich auf den Weg.
Die meisten werden heute achtlos an diesem Häuschen und den davorliegenden Bodenplatten vorbeigehen. Tatsächlich hat, wie durch ein Wunder, dieses kleine Stück Europaplatz vom alten Rheinstadion überlebt.
Ein seltsames Gefühl, zu wissen, was hier einmal war und wie oft man hier entlanggegangen ist. Auch die Fahnenstangen sind noch an originaler Stelle. Die angrenzenden drei Brunnen sind leider nicht mehr vorhanden.


Das waren die beiden Hauptalleen, die zum Stadion führten. In der Mitte die am häufigsten genutzte Allee zum Stadion und oben die Allee, die zur Nordkurve und zum Gästebereich führte.
Auch hier stehen noch einige Bäume an der Originalstelle, leider durch einen hohen Zaun der Messe abgegrenzt. Die Hauptallee ist für immer zugunsten der Messegebäude abgeholzt worden.
Ein bisschen Rheinstadion steckt noch im Boden
Kommen wir zur nächsten Frage: Wo liegt eigentlich im Vergleich zum alten Rheinstadion heute die Spielfläche? Gibt es noch Überschneidungen? Wo war der alte Stimmungsblock R36/37? Wo stand die alte Anzeigetafel?
All das lässt sich anhand von Luftbildern ganz einfach herausfinden. Kurvenarchäologie ohne Spaten.


Den alten Mittelpunkt lässt sich auch sehr gut verorten.
Wäre es nicht eine tolle Idee, auf dem Boden des Umlaufs einen Punkt zu markieren – mit dem schriftlichen Hinweis auf den ehemaligen Mittelpunkt des Düsseldorfer Rheinstadions? Hätte was.
Und plötzlich steht man wieder vor dem alten Stadion
Das Schönste an dieser Suche war deshalb nicht einmal, irgendwelche konkreten Überreste zu finden.
Es war der Moment, in dem ich plötzlich wusste, wo ich suchen musste. Man schaut auf ein heutiges Luftbild und denkt sich: Dort war die Tribüne. Dort verlief der Weg. Dort war der Europaplatz. Dort standen früher Tausende Menschen.
Und plötzlich ist das alte Rheinstadion wieder da. Zumindest für einen kurzen Moment.


Wir können alte Fotos sammeln, Luftbilder vergleichen, Geschichten aufschreiben und den jüngeren Fortuna-Fans zeigen, dass dort, wo heute alles modern und aufgeräumt aussieht, einmal ein Stadion stand, das für viele Menschen Heimat war. Und vielleicht ist irgendwo zwischen Arena, Messe und Sportpark noch ein kleiner Rest des alten Europaplatzes zu finden.
Man muss nur wissen, wonach man sucht.
In diesem Sinne: Halten Sie die Augen offen. Die Stadt verändert sich ständig. Aber manchmal liegt die Vergangenheit direkt unter unseren Füßen.
Ihr ergebener
Lord Hadden Langston













Lieber Lord Haddon Langston,
was für eine wirklich tolle Recherche, ich habe ihre Bilder und Texte mit Begeisterung gesehen und gelesen. Da ich, geboren 1963, die alte “Schüssel” und den Block 36 noch in guter Erinnerung habe, war es wirklich beeindruckend zu sehen, wo die alten Punkte heute liegen und man erkennt auf ihren Bildern die Sichtachsen von früher. Vielen Dank für die Arbeit, die Sie sich gemacht haben und dass Sie das nun allen Interessierten zur Verfügung stellen. Die Idee mit dem alten Mittelpunkt finde ich grandios, das könnten Sie aus meiner Sicht weiterverfolgen. Herzliche Grüße Holger Trost
Bleib da blos am Ball, den Mittelpunkt würde ich bei meinem nächsten Besuch gerne sehen wollen. Remember History….