25 Jahre Vereinsmitgliedschaft.
Das klingt zunächst nach einer beeindruckenden Zahl.
Heutzutage ist das allerdings keine allzu große Kunst mehr. Wer mittlerweile im Fortuna-Kreißsaal geboren wird, erhält vermutlich noch vor der Geburtsurkunde den Mitgliedsantrag. Mit etwas Glück folgt dann zum 25. Geburtstag die Ehrennadel und eine ordentliche Feier.
Meine Generation hatte dieses Privileg nicht.
Ich wurde 1968 geboren und stamme aus einer Familie, die mit Fußball herzlich wenig anfangen konnte. Mein Vater war Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und leidenschaftlicher Fechter. Fußball gehörte nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen. Dennoch schleppte er mich 1975 eines Tages ins Rheinstadion. Zu Fortuna gegen Bayern München. Ausgerechnet zu jenem legendären 6:5.

Was mein Vater damals vermutlich nicht ahnte:
Er hatte damit ein Problem geschaffen, das bis heute andauert. Von diesem Tag an wollte ich immer wieder ins Stadion, mein Vater allerdings nicht. Meine Mutter, damals Ratsfrau der Stadt Düsseldorf, hatte ebenfalls Wichtigeres zu tun.
Also musste man kreativ werden. Da wir unweit des Rheinstadions wohnten, entwickelte ich schon früh eine gewisse Improvisationskunst. Besonders beliebt war die Kombination aus Freibadbesuch und anschließendem Fußballspiel.
Jeder Pänz wusste damals:
Vom Freibadzaun konnte man wunderbar ins Stadion schauen. So lernte man nicht nur Fußball kennen, sondern auch die hohe Kunst des kostenlosen Stadionbesuchs. Die Siebziger waren ohnehin eine andere Welt. Freitags pilgerte man zu Sültenfuß, um die druckfrische Fortuna Aktuell abzuholen. Das Internet gab es nicht. Transfergerüchte entstanden noch in Kneipen und nicht auf Social Media. Und wenn Fortuna spielte, war das oft das wichtigste Ereignis der Woche. 1978 durfte ich dann mit meiner Mutter zum DFB-Pokalfinale nach Gelsenkirchen fahren. Sie war vermutlich davon überzeugt, dass ein Stadion namens „Parkstadion“ zwangsläufig von einer idyllischen Grünanlage umgeben sein müsse. Die Realität bestand aus besoffenen Schalkern, die Bier über die anwesenden Düsseldorfer Honoratioren kippten.
Willkommen im deutschen Fußball.
Kurz darauf folgte eines jener Spiele, die jeder Fortuna-Fan kennt. Das 7:1 gegen Bayern München.

Bis heute kann ich mich an die Atmosphäre erinnern, mit jeder Minute wurde das Ergebnis absurder. Irgendwann hörte die Freude auf und wurde durch blankes Staunen ersetzt. Die Menschen diskutierten mehr, als dass sie jubelten. Niemand konnte wirklich glauben, was dort gerade passierte.
Nach Abpfiff musste ich jedenfalls schnell nach Hause. Mit einer möglichst überzeugenden Ausrede im Gepäck, warum der angebliche Besuch beim Nachbarsjungen plötzlich deutlich länger gedauert hatte als geplant. So begann meine lebenslange Karriere als Fortuna-Anhänger.
Eine Karriere, die mich über Block R36, Auswärtsfahrten, Hallenturniere, Metal-Konzerte, die Gründung der Band Assassin, den Mauerfall, die Mitgliedschaft bei Fortuna, zwanzig Jahre in Asien und unzählige Stadionbesuche führte.
Am 14. März 1990 wurde ich schließlich Mitglied von Fortuna Düsseldorf.
Damals nicht wegen einer Ehrennadel, sondern weil man der Meinung war, dass dieser Verein ein Teil des eigenen Lebens geworden war.
Heute, 25 Jahre später, halte ich diese Ehrennadel in den Händen.
Und wenn ich ehrlich bin:
Die Nadel ist schön. Die Erinnerungen sind wertvoller. Denn am Ende geht es nicht um 25 Jahre Mitgliedschaft.
Es geht um ein halbes Leben Fortuna Düsseldorf.
Und das kann einem ohnehin niemand mehr nehmen.




