Die Gang oder: Wie vier völlig kaputte Gestalten einen Auswärtsbus eroberten.
Werte Leserschaft, manchmal findet man die besten Dinge dort, wo man sie am wenigsten erwartet. In diesem Fall war es irgendwann im Jahr 2009, kurz vor einem Auswärtsspiel bei 1860 München. Schlaf wollte sich nicht einstellen. Also tat man das, was Menschen vor Netflix und Streamingdiensten taten: Man zappte sich planlos durch das nächtliche Fernsehprogramm.
Eine Beschäftigung, die normalerweise zuverlässig zu Enttäuschungen führt. Doch an diesem Abend hatte Fortuna ein Einsehen. Irgendwann, weit nach Mitternacht, blieb dieser Verfasser bei Comedy Central hängen. Zum Glück. Auf dem Bildschirm zu sehen waren vier völlig kaputte Gestalten, die gemeinsam eine heruntergekommene Kneipe in Philadelphia betrieben und dabei offenbar jede denkbare schlechte Entscheidung trafen. Die sogenannte „Gang“.

Vier Menschen ohne jede moralische Orientierung betreiben gemeinsam eine Kneipe. Später gesellt sich noch Frank hinzu, gespielt von Danny DeVito, der die ohnehin schon fragile geistige Stabilität der Gruppe endgültig zerstört.
In der Folge beschlossen zwei von ihnen, berühmt zu werden, um endlich reich zu werden. Was logisch begann, endete selbstverständlich in der örtlichen Ecstasy-Clubszene. Spätestens an diesem Punkt war der Schlaf vorbei. Kurz darauf folgte eine weitere Episode.
Die Gang stellte fest, dass man die eigene Kneipe vielleicht mit guter Musik retten könnte. Also gründete man kurzerhand eine Band. Das Ergebnis war ein Lied, das sich anschließend tagelang wie ein Ohrwurm aus der Hölle im Kopf festsetzte:
Dayman… fighter of the Nightman… champion of the sun…
WTF.
Allein diese beiden Folgen waren lustiger als mehrere Staffeln mancher Hochglanz-Sitcoms zusammen. Am nächsten Morgen erzählte ich im Auswärtsbus jedem, der es hören wollte – und einigen, die es nicht hören wollten – von dieser Serie. Kaum jemand kannte sie. Doch das änderte sich schnell.

„Hallo, wir sind die Electric Dream Machine. Erleben Sie den Zauber sexueller Energie.“
Spätestens an diesem Punkt hätte jedem klar sein müssen, dass daraus entweder ein Welterfolg oder eine komplette Katastrophe werden würde. Bei Paddy’s Pub gibt es bekanntlich nur eine dieser beiden Optionen.

Denn irgendwann sang bereits ein beträchtlicher Teil des Busses den Dayman-Song mit. Eine Entwicklung, die vermutlich weder die Autoren der Serie noch die übrigen Fahrgäste vorhergesehen hatten. Zurück in Düsseldorf wurden umgehend die ersten drei Staffeln besorgt. Und damit begann eine lange Freundschaft.
Willkommen im Paddy’s Pub – Politisch inkorrekt wie ein Polenböller in der Hallensaison
Die Serie bewegt sich regelmäßig dort, wo andere Produktionen längst kehrtmachen würden.
Alkoholismus. Drogensucht. Religion. Sex. Politik, Nationalismus. Diskriminierung.
Während viele moderne Comedyserien versuchen, möglichst niemandem auf die Füße zu treten, marschiert It’s Always Sunny in Philadelphia mit Anlauf durch sämtliche gesellschaftlichen Minenfelder.
Und kommt erstaunlicherweise heil auf der anderen Seite wieder heraus.
Zu schlau für den Mainstream?
Bis heute gehört die Serie zu den meist unterschätzten Comedyformaten überhaupt und ist in Europa weiterhin fast unbekannt. Es gibt Serien, die man schaut und wieder vergisst und es gibt Serien, deren Zitate Jahre später noch durch Auswärtsbusse geistern.
It’s Always Sunny in Philadelphia gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Wer schwarzen Humor, schräge Figuren und völlige moralische Verwahrlosung schätzt, wird hier glücklich. Wer dagegen sympathische Helden, positive Botschaften und emotionale Lernprozesse erwartet, sollte lieber etwas anderes schauen.
Willkommen im Paddy’s Pub.
Der wahrscheinlich schlechtesten Kneipe Amerikas.
In diesem Sinne… Ihre ergebener,
Lord Hadden Langston




