Werte Leserschaft, es ist diesem Verfasser nicht entgangen, dass wir heute in der Zukunft leben. Ein Satz, der noch vor wenigen Jahrzehnten völlig absurd geklungen hätte. Am 21. Dezember 1989 startete der zweite Teil von “Zurück in die Zukunft” in den deutschen Kinos. Damals war ich 21 Jahre alt und die Zukunft ein unbeschriebenes Blatt. Irgendwo hinter dem Horizont. Ein fernes Land voller fliegender Autos, verrückter Erfindungen und Möglichkeiten. Im Film reist Marty McFly dreißig Jahre in die Zukunft.
Genauer gesagt auf den 21. Oktober 2015.
also genau heute.
Nun könnte man natürlich kleinlich darauf hinweisen, dass die Filmemacher den Wochentag falsch vorhergesagt haben. Im Film ist es ein Dienstag, tatsächlich jedoch ein Mittwoch. Doch wollen wir großzügig sein. Wer drei Jahrzehnte in die Zukunft blickt, darf sich gelegentlich um vierundzwanzig Stunden vertun. Viel interessanter ist ohnehin die Frage:
Wie viel Zukunft steckt eigentlich in unserer Gegenwart?
Erstaunlich viel, wie sich herausstellt. Die Kommunikation bewegte sich bereits erstaunlich nah an unserer Realität. Zwar telefonieren wir nicht über klobige Videobildschirme im Wohnzimmer, doch Videotelefonie gehört längst zum Alltag. Die Vision war richtig, lediglich die Technik sah etwas anders aus.

Fun Fact: Der DeLorean DMC-12 wurde durch “Zurück in die Zukunft” zur absoluten Ikone, obwohl das echte Auto bei Produktionsbeginn ein wirtschaftlicher Flop und viel zu schwach war. Die DeLorean Motor Company ging bereits 1982/1983 pleite. Grund dafür waren unter anderem Qualitätsprobleme, einbrechende Verkaufszahlen und die Verhaftung von John DeLorean wegen angeblicher Kokainschmuggel-Geschäfte, die jedoch später vor Gericht fallengelassen wurden.
Fast schon unheimlich wirkt dagegen der Umgang mit persönlichen Daten. Im Film erscheinen beim eingehenden Anruf Informationen über Vorlieben, Hobbys und private Details direkt auf dem Bildschirm. Eine Vorstellung, die 1985 futuristisch wirkte. Heute nennt man das Social Media. Was die Autoren allerdings komplett übersahen, war das Internet. Während die Welt im echten Jahr 2015 von Smartphones, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken geprägt wird, verschickt man im Film weiterhin fröhlich Faxe.
Die Zukunft kann eben grausam sein.
Auch Fingerabdruckscanner, Tablets und intelligente Haustechnik gehören inzwischen zum Alltag. Was damals wie Science Fiction aussah, findet man heute in vielen Neubauten oder sogar in der Hosentasche.
Andere Dinge haben den Sprung durch die Zeit dagegen nicht geschafft.
Die berühmten Hoverboards schweben noch immer nicht über unsere Straßen. Fliegende Autos existieren höchstens als kuriose Prototypen für Menschen mit zu viel Geld und zu wenig Geduld. Und obwohl wir mittlerweile Computer in der Tasche tragen, die leistungsfähiger sind als alles, was sich die Filmemacher vorstellen konnten, fahren die meisten Autos immer noch mit denselben Treibstoffen wie damals. Dieser Autor kann nicht umhin zu bemerken, dass ein Fahrzeug, das mit Kompost betrieben wird, durchaus Charme gehabt hätte.

Auch modisch lag die Zukunft erstaunlich daneben.
Die doppelte Krawatte des gealterten Marty McFly schaffte es glücklicherweise nie in die Innenstädte dieser Welt. Dafür setzte sich eine andere Entwicklung durch, die vermutlich niemand vorhergesehen hatte:
Je moderner die Welt wurde, desto häufiger griffen Menschen wieder auf alte Stile zurück.
Vintage, Retro, Second Hand und zeitlose Klassiker erwiesen sich als deutlich langlebiger als jede Zukunftsprognose.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis.
Man kann Technik vorhersagen. Mode, Musik und Menschen dagegen nur sehr schwer. Zum Schluss bleibt noch eine traurige Nachricht für alle Baseballromantiker. Im Film gewinnen die Chicago Cubs die Meisterschaft des Jahres 2015. Die Realität zeigte sich weniger kooperativ.
Damals zumindest.
Und während ihr diese Zeilen lest, ist auch dieser Tag längst Vergangenheit geworden. Die Zukunft, auf die wir dreißig Jahre gewartet haben, dauerte nur vierundzwanzig Stunden.
Mach’s gut, Marty.
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Die Arbeit des Soul City Bureau für Retronautik & Temporalmechanik wird selbstverständlich fortgesetzt.
In steter Ergebenheit,
Lord Hadden Langston




